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Das Leben langsamer gehen

Autorenbild: Monika Schwarz
Monika Schwarz
vor 7 Tagen
4 Min. Lesezeit

Was, wenn langsamer nicht weniger bedeutet – sondern mehr vom Leben?


calm&more | Monika Schwarz | Pfeffikon LU

Seit längerem passiert ganz viel auf unserem Planeten. Gefühlt wird alles einmal durchgeschüttelt und auf den Kopf gestellt. Grosse Veränderungen stehen bevor, Unsicherheiten machen sich breit und niemand weiss so wirklich, wohin es uns führt.


Auch bei uns, in unserem kleinen Unternehmen wie auch privat, sind wir ständig am Optimieren und Anpassen. Seit Anfangs Jahr hat sich so einiges verändert. Viele Menschen aus unserem Umfeld, die uns schon seit Jahren kennen, verbinden uns automatisch mit einem neuen Projekt. Tatsächlich waren die vergangenen Jahre geprägt von grossen Ideen, mutigen Entscheidungen und intensiven Vorhaben. Projekte, die viel Zeit, Energie und Herzblut verlangten. Oft haben wir dabei weit mehr gegeben, als eigentlich noch gut für uns war. Mein Mann war damals voll berufstätig, dazu kamen all unsere Bauprojekte, die sich grosszügig auf unsere sogenannte „Freizeit“ verteilten. Nicht selten sind wir dabei an unsere Grenzen gestossen.


Doch wir hatten ein Ziel vor Augen. Wir wussten, wofür wir diesen Einsatz leisteten und weshalb wir bereit waren, über viele Jahre so viel Zeit und Energie zu investieren. Wir wollten uns ein Fundament schaffen, das uns langfristig mehr Freiheit und Selbstbestimmung ermöglicht.


Und rückblickend können wir sagen: Dieser Einsatz hat sich gelohnt. Nicht, weil heute plötzlich alles erledigt ist oder wir am Ziel angekommen sind. Sondern weil uns jede dieser Entscheidungen unserem grossen Ziel ein Stück näher gebracht hat – der finanziellen Freiheit und damit auch der Freiheit, unser Leben zunehmend so gestalten zu können, wie es zu uns passt. Vielleicht ist genau das der Unterschied: Wir haben nicht einfach nur viel gearbeitet. Wir hatten einen Fokus und wussten, wofür wir es tun.


Wenn uns Freunde heute fragen: "An was seid ihr gerade dran?", entsteht zuerst ein kurzes Schweigen - schauen uns gegenseitig an und unsere Antwort klingt oft ungewohnt schlicht: "Für unsere Verhältnisse ist es im Moment gerade sehr ruhig. Es gibt keine grossen Projekte oder etwas besonders Spektakuläres."


Früher hätte uns eine solche Antwort wahrscheinlich selbst überrascht. Heute fühlt sie sich richtig an. Denn ruhig bedeutet nicht, dass wir die Füsse hochlagern oder nichts mehr tun. Ganz im Gegenteil. Wir sind nach wie vor mit viel Herzblut und Engagement bei der Arbeit und in unserem Unternehmen. Der Unterschied liegt nicht unbedingt in der Menge dessen, was wir tun, sondern vielmehr darin, wie wir mit unserer Zeit und unserer Energie umgehen. Wir wählen bewusster aus, was wirklich wichtig ist. Wir verteilen unsere Kraft klüger. Und wir gönnen uns Pausen, bevor sie uns der Körper aufzwingt – schliesslich sind wir auch keine 20 mehr.


Um es noch genauer auf den Punkt zu bringen: Wir bewegen uns heute ausserhalb des Hamsterrads. Wir sind voll und ganz in unserem Unternehmen tätig und tragen damit auch die Verantwortung dafür, wie wir unseren Alltag, unsere Arbeit und unsere Zeit gestalten. Genau diese Eigenverantwortung schenkt uns die Freiheit, vieles bewusster zu entscheiden.


In den vergangenen Monaten ist uns durch einige Gespräche mit Freunden und Bekannten immer wieder aufgefallen, wie viele Menschen sich in genau diesem Hamsterrad bewegen. Die Geschichten sind unterschiedlich – und doch ähneln sich manche Muster erstaunlich oft. Erschöpfung. Unzufriedenheit. Das Gefühl, nur noch funktionieren zu müssen. Montag bis Freitag durchhalten, am Wochenende kurz Luft holen – und am Sonntagabend beginnt gedanklich bereits wieder der Montag. Und irgendwo am Horizont wartet die Pension wie die grosse Ziellinie: Dann habe ich endlich Zeit. Dann kann ich geniessen. Dann mache ich all die Dinge, für die heute kein Platz ist.


Aber wann genau wurde eigentlich beschlossen, dass das Leben erst irgendwann später stattfinden soll?


Ich möchte das keineswegs verurteilen oder bewerten. Jeder Mensch lebt unter anderen Umständen, trägt andere Verpflichtungen und trifft seine eigenen Entscheidungen. Und nicht jede Freiheit lässt sich von heute auf morgen erschaffen. Doch wir haben für uns irgendwann entschieden: Wir möchten unser Leben nicht bis zu einem bestimmten Datum durchhalten. Wir möchten es heute leben.


Wir haben uns bewusst für ein Leben ausserhalb des Hamsterrads entschieden. Für ein Leben, in dem wir arbeiten können und dürfen, solange unsere Gesundheit und unsere Freude es zulassen. Für Arbeit, die uns Spass macht, uns erfüllt und uns nicht jeden Sonntagabend die Laune verdirbt. Und vor allem für ein Leben, in dem Freiheit nicht erst mit der Pension beginnt. Wir möchten heute schon geniessen. Heute schon Zeit haben. Heute schon spontan sein dürfen. Arbeiten, wenn es etwas zu tun gibt. Pausieren, wenn eine Pause guttut. Einen Dienstag geniessen können, ohne darauf warten zu müssen, dass endlich Samstag ist.


Manchmal glauben wir, Wachstum bedeute automatisch mehr Tempo, mehr Projekte und mehr Leistung. Doch vielleicht liegt wahres Wachstum genau darin, den Mut zu haben, einen Gang zurückzuschalten. Denn das Leben ist kein Wettlauf. Es ist eine Reise. Eine Reise, die wir bewusster erleben möchten. Mit mehr Präsenz. Mehr Gelassenheit. Mehr Zeit für die Menschen, die uns wichtig sind. Mehr Raum für Gespräche, für Stille, für Gesundheit und für all die kleinen Geschenke, die das Leben täglich bereithält und die wir im Dauerlauf so leicht übersehen.


Manchmal ist das grösste Upgrade kein weiterer Schritt nach vorne – sondern ein Schritt zurück ins Jetzt.


Diese persönliche Geschichte soll keinefalls eine Anleitung dafür sein, wie man sein Leben leben sollte. Vielmehr ist sie eine liebevolle Einladung, das eigene Tempo hin und wieder zu hinterfragen. Und ja, vielleicht können wir nicht einfach aus unserem Hamsterrad aussteigen. Vielleicht müssen wir das auch gar nicht. Aber wir können uns immer wieder kleine Momente schaffen, in denen wir bewusst langsamer werden. In denen wir innehalten, unsere Energie achtsamer einsetzen und uns fragen: Muss wirklich alles immer schneller, höher und weiter gehen?


Denn manchmal braucht es gar keine grosse Veränderung. Keinen radikalen Neustart und schon gar keine 180-Grad-Wende. Manchmal beginnt Veränderung ganz leise – mit einer Pause, einem bewussten Nein, einem freien Nachmittag oder der Entscheidung, heute einmal nicht alles schaffen zu müssen. Unser Leben ist nicht dafür gemacht, pausenlos Höchstleistungen zu erbringen. Wahre Präsenz entsteht nicht durch Geschwindigkeit, sondern durch Bewusstheit.


Vielleicht kommt nach der Zeit des Aufbaus irgendwann die Zeit, in der man sich erlauben darf, das Geschaffene auch zu geniessen. In dieser Zeit sind wir jetzt.



Von Herzen ♥ Monika, dein Mentor & Coach

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